Mecklenburg's Volkssagen,
Gesammelt und hrsg. von A.Niederhoffer
Vom Spuke an der alten Bruecke zwischen Sponholz und Warlin bei Neu-Brandenburg. (Von C.Langmann, Lehrer zu Sponholz.)
Hier soll es nun von jeher nicht geheuer gewesen und schon Manchem schlecht ergangen sein, wenn er in spaeter Stunde des Weges gekommen. Unter Andern erzaehlte mir, vor mehr als 20 Jahren, ein damals auf dem sponholzer Hofe dienender Knecht, dass er Abends spaet mit einem leeren Kaleschwagen mit zwei Pferden bespannt des Weges gekommen. Als er an die Bruecke gelangt, wollen die Pferde durchaus nicht hinueber. So viel er auch peitscht und antreibt, die Pferde baeumen sich und draengen immer zurueck. Zuletzt faellt dem Knecht ein, dass er einmal gehoert, wenn man einen sogenannten Kreuzknoten in einen der Zugstraenge mache, so muesse der Spuk weichen. Er springt also vom Wagen und schlaecht einen solchen Knoten, Kaum aber ist er damit fertig, als auch schon die Pferde mit einem Male wie toll losgehen, so dass er nur schnell mit einem Satz auf den Wagen eilt und im vollen Galopp, die Pferde mit Schaum bedeckt, zu Hause ankommt. | ![]() |
Der spukende Stallmeister G. zu Steinbeck bei Neustadt.
(von Herausgeber.)
Der Hof Steinbeck bei Neustadt gehoerte frueher einem Stallmeister G.... Dieser, ein ebenso strenger und geiziger, als gottloser und schlechter Mann, wohnte nicht auf seinem Gute, sondern hielt sich gewoehnlich in Ludwigsluft auf. Haeufig aber kam er, und zwar immer unerwartet, auf seinem Schimmel im schnellsten Galoppe nach Steinbeck gesprengt, um seine Leute zu ueberraschen, und fand er dann nur irgend eine kleine Unordnung, so zuegtigte er den Schuldigen mit der groessten Haerte und Strenge.
Da der Stallmeister selbst weder an Gott dachte, noch an Ihn glaubte, sonder nur fuer irdische Gueter sorgte und lebte, so litt er auch nie, dass seine Leute zur Kirche gehen durften; hatte es aber dennoch Jemand gewagt, dies Gebot zu uebertreten, so wurde er dafuer auf das Unbarmherziste ausgepeitscht.
Nun aber wurde dieser gottlose Mann ploetzlich sehr krank.
Sein Gewissen ruehrte sich fuerchterlich, als er auf dem Todtenbette lag; mit Zittern und Zagen sah er seiner baldigen Aufloesung entgegen, und zu spaet bereuete er seinen schlechten Lebenswandel. Er schichte jetzt in seiner Herzenangst und Noth nach Steinbeck zu seinen Tageloehnern und liess sie alle flehentlich bitten, doch in die Kirche zu gehen und dort fuer ihn zu beten.
Und die guten, mitleidigen Landleute erbarmten sich ihres sonstigen Peinigers und Bedrueckers, sie gingen saemmtlich am naechsten Sonntage in die Kirche und beteten auch fuer ihn zum Hoechsten. Bald darauf starb er denn auch, aber ohne den ewigen Seelenfrieden erlangt zu haben; denn ruheloss musste er auch noch nach seinem Tode umherirren.
Noch heute behaupten die Leute zu Steinbeck, den boesen Stallmeister G,,,, haeufig auf seinem weissen Rosse daherreiten zu sehen.
Der unvollendete Saal im Schlosse zu Sponholz bei Neu-Brandenburg.
(Von C.Langmann, Lehrer zu Sponholz.)
In dem Schlosse zu Sponholz bei Neu-Brandenburg befindet sich noch heute im oberen Stocke ein unvollendeter Saal, an welchen sich folgende Sage knuepft:
Beim Baue des Schlosses habe sich an dieser Stelle ein Maurer todt gefallen. Was man seit der Zeit des Tages ueber an Maurerarbeit angebaut, sei in der folgenden Nacht immer wieder abgefallen; und so habe man denn die Vollendung nicht zu Stande bringen koennen und deshalb den Saal zu liegen lassen muessen.
Der von einem tollen Hunde gebissene Jaeger von Schoenhausen bei Woldegk.
(von C.Langmann, Lehrer zu Sponholz.)
In der Kirche zu Schoenhausen bei Woldegk befindet sich an der inneren Thuer ein Blatt, worauf man die Figur eines grossen Hundes abgebildet sieht, unter welchem in Druckschrift die Merkmale eines wasserscheuen Hundes angegeben sind. Folgender tragische Vorfall soll dazu Veranlassung gegeben haben.
Vor vielen Jahren sitzt der Revierjaeger Zierk in Gedanken vertieft in seiner Wohnstube, worin sich eben auch seine Frau befindet, als er sich gegen diese aeussert: "Heute sind es gerade achtzehn Jahre, als mich ein toller Hund gebissen. Man hat mir damals gerathen, mich nicht zu verheirathen, mir hat ja aber bis jetzt noch nicht geschadet."
Kaum hat er dies aber gesprochen, da stellen sich bei ihm alle Symptome der Hundeswuth ein, so dass die auf das Geschrei der Frau herbeigeeilten Leute sich genoethigt sehen, ihn an Haenden und Fuessen gefesselt an den vier Bettpfosten zu befestigen.
Am dritten Tage, da trotz aller angewandten Mittel keine Hoffnung zur Verbesserung bleibt, oeffnet der Arzt ihm eine Ader und laesst ihn so zu Tode bluten.
Wovon Bannenbrueck bei Neu-Brandenburg seinen Namen erhalten haben soll.
(von C.Langmann, Lehrer zu Sponholz.)
Die zum sponholzer Territorium gehoerende Unterfoersterrei Bannenbrueck soll ihren Namen von der unweit davon entfernten steineren Bruecke haben, die man auf dem Wege von Pragsdorf nach Stargard trifft.
Bei dieser Bruecke soll naemlich in frueheren Zeit eine Bande Wegelagerer ihr Schandgewerbe getrieben haben, indem sie ueber die Bruecke eine Schnur, die zu ihrem Schlupfwinkel fuehrte, gezogen. Sobald nun ein Reisender dieses Weges gekommen und mit den Fuessen die Schnur beruehrt, hat ein daran befindliches Gloecklein die Raeuber sogleich aufmerksam hierauf gemacht, die dann auch nicht gesaeumt ueber den Armen herzufallen, ihn auszurauben und oft gar zu ermorden.
Das Wahrzeichen am Steinthore zu Rostock
Unsere Vorfahren hatten die löbliche Gewohnheit, irgend einen schönen sinnreichen Spruch, etwa einen Bibel- oder Liedervers, den sie sich zum Wahlspruche genommen, über die Pforte ihres Hauses zu schreiben. Hier, wo man täglich ein und aus geht, stand er mit großer, deutlicher Schrift, zum fortwährenden Gedächtniß und zu fruchtbringender Beherzigung. So versah man auch häufig öffentliche Gebäude, Kirchen, Schulen, Rathhäuser, Thore und dergleichen, bei denen viel Verkehr stattfand, mit passenden Sinnsprüchen und fügte nicht selten ein bedeutsames Sinnbild hinzu, um die Wahrheit des verzeichneten Spruches noch mehr zu veranschaulichen und zu verdeutlichen.
Daß man auch zu Rostock diese Gewohnheit hatte, bezeugt unter Andern das Steinthor daselbst. Dasselbe enthält an der Innern und äußern Seite die Wappenschilder Rostock's und Mecklenburg's und trägt außerdem noch nach Innen die Inschrift: Sit intra te concordia et publica felicitas (In Deinen Mauern wohne Eintracht und staatliches - öffentliches - Wohlsein). Ueber der Inschrift befindet sich dann noch das Brustbild eines Mannes, der gleich als zum Schutze mit der Linken einen runden Schild vor sich hält. Zu seinen Seiten steht endlich getheilt die Jahreszahl 1314.
Da das Steinthor erst im Jahre 1575 gebauet sein soll, so hat die vorhin erwähnte Jahreszahl hiermit gewiß nichts zu thun, vielmehr scheint sie sich nebst den übrigen Darstellungen auf die Beendigung des rungeschen Aufstandes, die Aussöhnung der Stadt mit Herzog Heinrich dem Löwen von Mecklenburg und die Wiederherstellung der alten Ordnung zu beziehen. Durch den Verrath des königlich dänischen Statthalters zu Rostock, Hermann von Glöden oder Klödt, gelang es nämlich dem Herzoge die Stadt im Januar 1314 beim Steinthore zu überrumpeln und so die vorhin erwähnten Resultate zu erzielen.
Die Sage erzählt über den Ursprung des obgedachten Brustbildes Folgendes:
Gegen das Jahr 1314 hatte Rostock, wie damals häufig, Krieg. Die Feinde hatten die Stadt schon lange und vergeblich belagert. Sie konnten sie nicht überwältigen, und auch das Aushungern wollte nicht recht gehen. Da nahm man zum Verrathe seine Zuflucht, und zwar war es einer der Bürgermeister, der sich durch das Gold der Fremden blenden ließ. Er beging das Bubenstück und überlieferte die Stadt, indem er ihre Blöße verrieth, den Feinden.
Die Sache war fein genug angelegt, kam aber doch an das Tageslicht. Und als nun die Rostocker nach außen hin Frieden hatten, ergriffen sie den Verräther und sperrten ihn ein.
Damals bestrafte man oft geringe Vergehen sehr hart; und so ist es leicht erklärlich, daß man hier nicht bloß hart, sondern sogar grausam verführ. Man schleppte den Unglücklichen nach dem Mauerthurme unweit des Steinthores - hinter den Häusern an der neuen Wallstraße - und schloß ihn hier in schwebender Stellung vermittelst Hals-, Arm-, Brust-und Fußeisen also an, daß er nur die Hände zum Munde bewegen konnte. So quälte man ihn jämmerlich und langsam zu Tode; denn zur täglichen Nahrung ward ihm nur ein Schillingsbrod - Rundbrod - und ein wenig Wasser gereicht.
Das Bild soll hier dann späterhin zur Warnung für Jedermann angebracht sein, und will man an demselben auch die Hals- und Armeisen erkennen. Den Schildaber hält man für ein Abbild des Rundbrodes.